Who writes?
Über die KundInnen des writers´studio
Seit Jänner 2002 finden im writers´studio laufend Schreibseminare statt.
Manche kommen zu uns mit Schreibfrust, dem sie endlich Positives entgegensetzen. Alle TeilnehmerInnen gewinnen Know-how und Leichtigkeit im Schreiben,
viele werden zu echten Schreibenthusiasten.
Sie besuchen uns nach Abschluss eines Seminars weiter, in fortlaufenden Gruppen (z.B. „Work in Progress“, „Book in Progress“) oder dann und wann zu einer Schreibnacht.
Viele sind richtiggehende Fans des writers´studio geworden.
Sie füttern ihre Schreib-Leidenschaft mit immer weiteren Seminaren:
Mindwriting, Short Story, Sachbuch schreiben, Travel Writing …
Für StammkundInnen gibt einen Writers Club.
Große und kleine Firmen und Institutionen wenden sich mit ihren speziellen Schreibanliegen an das writers´studio und empfehlen uns gerne weiter.
Dank des großen Interesses von Neugieren und Fans hat sich das writers´studio wunderbar entwickelt und hört nicht auf weiter zu wachsen und blühen..
Wir freuen uns auf jede/n, der/die schreiben möchte oder muss und
von uns begleitet und inspiriert werden möchte.
Schreiben auch Sie mit uns? You are very welcome.
WORK IN PROGRESS:
Foto und Text von Judith Wolfsberger
Violette Tintenpatrone: Ein Stadtbummel
(Nach Virginia Woolf)
Die violette Tinte ist aus, Lila muss raus, raus aus dem Haus, aus dem Nest, in die Stadt. Violette Tinte gibt´s nur in der Innenstadt, innerhalb des Rings, dort wo wichtige und schöne Menschen geschäftig herumgehen, reden, stehen, sitzen. Vor allem Wichtiges tun.
Lila setzt die Wintermütze auf und verschließt mit dem Schal die Lücke beim Hals, die der Damenwintermantel freilässt. Schnellen Schrittes, das Stiegenhaus hinunter, die Hand flitzt das gewundene Gelände entlang. Nur sehr gedämpftes Licht fällt durch die Stiegenhausfenster. Der drei Stockwerke hohe Kirschbaum ist winterlich nackt, umhüllt von Nebel.
Auf der Döblinger Hauptstraße sieht Lila zuerst die Mütter mit Kinderwagen. Sie denkt an ihren kleinen Sohn, für ein paar Stunden gut aufgehoben in der Kindergruppe, und oh welche Freiheit das schafft. Beim Fleischhauer kaufen älteren Herrn ein fertiges Mittagessen zum Aufwärmen. An der Straßenbahnhaltestelle riecht es nach Kaffee, sie, Lila beobachtet die Angebote im Schaufenster des Diskonters, warme Hausschuhe aus Filz und Pelz, Polster und Decken für ein gemütliches Zuhause. Doch sie will in die Stadt, raus aus der wohligen Wärme ihrer Wohnung, ihrer Familie. Die violetten Tintenpatronen sind ausgegangen.
In der Straßenbahn sitzen vor ihr zwei Schülerinnen, gestikulieren heftig, reden laut über die „Frau Lehrer“ und die Hausübung. Langsam bummelt die Straßenbahn in Richtung Stadt, alle paar Minuten bleibt sie stehen, öffnet gemächlich die Türen, spuckt kleine Menschengrüppchen aus, nimmt geduldig neue auf. Ein Tonband sagt die Namen der Haltestellen, nennt beharrlich Umsteigemöglichkeiten. Lila fährt bis zur Endstation. Direkt am Ring, an der Begrenzung der Innenstadt entschlüpft sie der Straßenbahnraupe.
Sie breitet ihre Flügel aus und fliegt durch die Menge. Ah Studenten, mit Mappen und dicken Taschen. Pizza-Stände und Stehkaffee, raus aus der Remise, hinauf, hinaus. Lila läuft die Rolltreppe hinauf, vorbei an den Kinderwägen und quatschenden Pärchen, die violette Füllfederpatrone ist ausgegangen. Bei der Buchhandlung bleibt sie einen Moment lang stehen. Tische mit Sonderangeboten am Gehsteig, in den Schaufenstern die Neuerscheinungen des Herbstes, Weihnachtsdekorationen in Gold und Rot.
Lila geht weiter, Lila atmet die kühle, frische Luft ein, Lila riecht Stadtluft, Lila ist für einen Moment sehr frei. Sie will nichts kaufen, nicht lesen, nicht reden, nur wie ein Schmetterling von Straße zu Straße flattern und schauen.
Ein Fiaker fährt vorbei, der altmodische Wagen klappert über das Kopfsteinpflaster, auf der Freyung schaut Lila, welche Ausstellungen laufen in der großen Bank und im Palais gegenüber. Männer in grauen Mänteln über dunklen Anzügen kommen aus der Herrengasse, die zu den Regierungsgebäuden führt. Schon wieder Kaffeegeruch, ein Kaffeehaus reiht sich an das andere bevor die Gasse in den breiten Graben mündet, der wie eine Schüssel alle auffängt, die Touristen und Shopper, die Stadtspazierer und Verkäuferinnen.
Vor der goldenen Pestsäule ist das Schreibwarengeschäft. Die violette Patrone ist ausgegangen. Lila bleibt beim Schaufenster stehen, silberne Füllfedern werden auf rotem Samt ausgestellt. „Zwei Packungen violetter Patrone“, sagt Lila, der Verkäufer mit der Krawatte verpackt sie in ein kleines Papiersäckchen.
Lila geht in ein Cafe beim Stephansdom und schreibt mit violetter Tinte eine Geschichte über ihre Heimatstadt.
(Judith Wolfsberger, Dezember 2008)
nach oben